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Anleitung

Beschnitt richtig anlegen: 3 mm Bleed plus Sicherheitsabstand

Beschnitt verhindert weiße Blitzer am Rand, wenn die Schneidemaschine in der Druckerei das gestapelte Endformat trifft. Die bvdm-Spezifikation schreibt 3 mm Anschnitt rund um das Endformat vor und fordert zusätzlich 3 bis 5 mm Sicherheitsabstand für wichtige Inhalte. Diese Anleitung zeigt am Beispiel von Werbebanner, Aufkleber und Schild, wie Anschnitt im Layout-Dokument eingerichtet, randvolle Bilder über den Anschnittrand gezogen und das Ergebnis in Acrobat geprüft werden.

  • Anleitung
  • Niveau: Anfänger
  • Dauer: 8 min
  • Aktualisiert: 04.05.2026
Posterleiste mit Schnittkante

Werkzeuge

  • Adobe InDesign 2024+Adobe
  • Adobe Illustrator 2024+Adobe
  • Affinity Publisher 2Affinity
  • Adobe Acrobat ProAdobe

Schritt für Schritt

  1. Endformat im Dokument anlegen

    Bevor irgendetwas gestaltet wird, muss das Dokument auf das Endformat eingestellt sein. In InDesign oder Illustrator unter Datei > Neu das Format des Druckprodukts eingeben (zum Beispiel 200 x 100 cm für ein Werbebanner, 90 x 50 mm für eine Visitenkarte). Affinity Publisher erlaubt das Gleiche unter Datei > Neues Dokument. Das Endformat ist die Linie, an der die Schneidemaschine schneidet, also der spätere sichtbare Rand des fertigen Drucks.

    Tipp: Endformat ist NICHT identisch mit Sichtformat — bei Faltprodukten ist das offene Format die Vorlage.

    [1]
  2. Anschnitt 3 mm umlaufend in Dokument-Einstellungen setzen

    Im selben Dialog (oder nachträglich unter Datei > Dokument einrichten) den Anschnitt auf 3 mm für alle vier Seiten setzen. Adobe nennt das Feld Anschnitt, Affinity Bleed. Der Anschnittbereich erscheint im Layout als roter Rahmen außerhalb des Endformats. Bei Werbebannern, Aufklebern und Schildern reichen 3 mm; bei Booklets und gerollten Großformaten empfehlen Druckereien 5 mm, da hier mehr Toleranz bei Bindung und Konfektionierung notwendig ist.

    Tipp: Den Anschnittbereich vor dem Gestalten einrichten — nachträglich Erweitern bricht oft Bilder und Hintergrundfarben ab.

    [1][4]
  3. Randvolle Bilder und Flächen bis in den Anschnitt ziehen

    Hintergrundbilder, Vollflächenfarben und alle randvollen Grafikelemente müssen über das Endformat hinaus bis an die Anschnittkante reichen. Konkret: ein Foto, das randlos auf einer 90-mm-Visitenkarte liegt, muss von -3 mm bis 93 mm reichen. Wenn das Bild nur bis zur Endformatskante geht, entsteht beim Schnitt ein weißer Blitzer, sobald die Schneidemaschine um 1 bis 2 mm wandert (was im industriellen Schnitt nach DIN 16511 normal ist).

    Tipp: In InDesign hilft die Tastatur-Kombi Strg/Cmd+1 (Vorschau-Modus), um nur das Endformat zu sehen, und Strg/Cmd+W (Anschnitt-Vorschau) für den Drucken-Look.

    [1]
  4. Sicherheitsabstand: 3 mm Innenabstand für wichtige Inhalte

    Inhalte, die NICHT abgeschnitten werden dürfen — Logos, Texte, Telefonnummern, QR-Codes — gehören mit mindestens 3 mm Abstand zur Endformatskante platziert. Bei Bannern und Bauzaunbannern, die mit Ösen befestigt werden, sollten 30 bis 50 mm Sicherheitsabstand zur Kante eingehalten werden, weil dort die Ösen das Motiv anstanzen. Der bvdm-Leitfaden empfiehlt für Schilder und Hinweistafeln 3 bis 5 mm Sicherheitsabstand und gleichzeitig 3 mm Anschnitt außen.

    Tipp: In InDesign Hilfslinien an x=3 und x=Endformat-3 setzen — so ist der Sicherheitsabstand visuell sichtbar.

    [1]
  5. PDF mit aktiviertem Anschnitt exportieren

    Beim PDF-Export unter Marken und Anschnitt das Feld Anschnitt verwenden aktivieren und 3 mm für alle Seiten eintragen. Wer die Vorgabe [PDF/X-4:2010] (Adobe) oder PDF (X-4:2010) (Affinity) verwendet, hat die korrekten Schalter bereits gesetzt; im Dialog die 3-mm-Werte trotzdem prüfen. Druckermarken bleiben deaktiviert, weil die Druckerei sie aus der TrimBox/BleedBox automatisch erzeugt — manuell gesetzte Marken stören das Ausschießen.

    Tipp: Bei Aufklebern mit Cut-Contour kommt zusätzlich eine Stanzkontur als Spot-Color-Pfad — Anschnitt gilt trotzdem.

    [2][4]
  6. In Acrobat TrimBox und BleedBox prüfen

    Das exportierte PDF in Adobe Acrobat öffnen und Werkzeuge > Druckproduktion > Boxen festlegen wählen. Hier sind alle Boxen sichtbar: TrimBox = Endformat, BleedBox = Endformat plus 3 mm Anschnitt. Beide Boxen müssen gesetzt sein, sonst weiß der RIP der Druckerei nicht, wo der Schnitt liegt. Das Acrobat-Werkzeug Ausgabevorschau (Strg+Alt+Shift+Y) zeigt die Boxen visuell und macht abgeschnittene Inhalte sofort sichtbar.

    Tipp: Wenn TrimBox und BleedBox identisch sind, ist der Anschnitt vergessen worden — zurück ins Layout.

    [2][3]

Quellen

  1. [1]bvdm — Medienstandard Druck und PDF/X LeitfadenBundesverband Druck und Medien (bvdm) · 01.09.2023 · Abschnitt 3.2: Anschnitt und Sicherheitsabstand
    Der bvdm-Medienstandard fordert 3 mm umlaufend Anschnitt und 3 bis 5 mm Sicherheitsabstand für wichtige Inhalte als Mindestmarge im Akzidenz- und Werbedruck.
  2. [2]ISO 15930-7:2010 — PDF/X-4: Complete exchange of printing data using PDFInternational Organization for Standardization · 15.08.2010 · Section 6.1: Page Boxes
    PDF/X-4 verlangt zwingend gesetzte TrimBox und BleedBox; ohne diese Boxen weiß das Output-System nicht, wo Endformat und Anschnitt liegen.
  3. [3]Ghent Workgroup PDF/X-4 Specifications 2024Ghent Workgroup · 01.01.2024 · GWG2022 General Print Specification
    Die Ghent Workgroup definiert prüfbare Anschnitt-Vorgaben für industrielle PDF-Produktion und konkretisiert ISO 15930-7 mit branchenübergreifend prüfbaren Werten.
  4. [4]Adobe InDesign User Guide — Bleed and SlugAdobe Inc. · 01.04.2024 · Abschnitt: Bleed and Slug
    Adobe dokumentiert das Anlegen von Anschnitt und Slug in InDesign; im Dialog Datei > Dokument einrichten lassen sich die Werte für alle vier Seiten getrennt setzen.