Beschnitt (Bleed)
Auch: Bleed, Anschnitt, Beschnittzugabe, Randbeschnitt, Überfüller
Beschnitt bezeichnet eine umlaufende Zugabe an Bildinhalt, die über das Endformat hinausragt und nach dem Schneiden in der Druckweiterverarbeitung wieder entfernt wird. Die Zugabe verhindert weiße Blitzer am Rand, die durch produktionsbedingte Schnittwerkzeug-Toleranzen entstehen, und sichert ein randabfallendes Druckbild zuverlässig bis zur Endformat-Kante.
Aktualisiert: 04.05.2026Im Detail
Beschnitt - im Englischen Bleed genannt - ist die Verlängerung des Druckbildes über die Schnittlinie hinaus. Schneidwerkzeuge in Druckereien arbeiten mit konstruktionsbedingten Toleranzen; Stanzen, Rotationsmesser und Plotter weichen je nach Maschine um Bruchteile eines Millimeters bis zu mehreren Millimetern von der Sollkante ab. Ohne Beschnittzugabe entstehen daher weiße Blitzer am Endformatrand, sobald das Material minimal anders geschnitten wird als kalkuliert. Standardprodukte wie Flyer, Visitenkarten und Broschüren verwenden in der Branche eine Zugabe von 2-3 mm pro Seite. Bei Großformatprodukten wie Bannern, Roll-Ups oder Aluminiumverbundplatten wird wegen größerer Schnittabweichungen, längerer Materialbahnen und Konfektionsspiel meist 5 mm Zugabe je Seite empfohlen. PDF/X-Standards (ISO 15930) definieren hierfür die Bleed-Box, die getrennt von der Trim-Box (Endformat) und der Media-Box (Datenträgerformat) als eigenständiger PDF-Boxen-Eintrag verankert ist. Layout-Programme wie Adobe InDesign und Illustrator ermöglichen das Setzen einer eigenen Beschnitt-Voreinstellung pro Dokument; beim PDF-Export werden die Bleed-Box-Werte automatisch in die Datei geschrieben, sofern die entsprechende Option aktiv ist. In der Praxis muss nicht nur Bildhintergrund in den Beschnitt verlängert werden, sondern auch alle randabfallenden Farbflächen, Logos und Hintergrund-Texturen. Sicherheitsabstände (interner Schutzbereich) liegen in der Regel bei 3-5 mm zur Endformat-Kante und sollen verhindern, dass Texte oder kritische Bildinhalte durch dieselbe Schneidetoleranz angeschnitten werden. Beschnitt und Sicherheitsabstand wirken zusammen wie zwei Pufferzonen um das tatsächliche Endformat herum.
Belegte Fakten & Standards
- practiceStandard-Beschnittzugabe für Flyer, Visitenkarten und Broschüren beträgt in der deutschen Druckindustrie 2-3 mm pro Seite.2-3 mm[1][2]
- practiceBei großformatigen Drucken wie Bannern, Roll-Ups und Aluminiumverbundplatten ist eine Beschnittzugabe von 5 mm je Seite branchenüblich.5 mm[1][2]
- standardDer PDF/X-Standard ISO 15930 definiert eine separate Bleed-Box, die unabhängig von Media-Box und Trim-Box im PDF-Header eingetragen wird.[1][2]
- measurementSchnittwerkzeug-Toleranzen industrieller Schneidemaschinen liegen typischerweise im Bereich von ±0,5 bis ±1,5 mm.0.5-1.5 mm[1]
- practiceSicherheitsabstand für Texte und kritische Inhalte zur Endformat-Kante beträgt in der Regel 3-5 mm.3-5 mm[1][2]
- definitionBeschnitt verhindert weiße Blitzer am Endformatrand, die durch Schnitttoleranzen entstehen, wenn randabfallende Bildinhalte exakt an der Trim-Linie enden.[1]
Anwendung in der Praxis
Visitenkarte 85 x 55 mm mit farbigem Hintergrund
Empfehlung: 2-3 mm Beschnitt pro Seite anlegen, Layout-Format also 91 x 61 mm bei 3 mm Bleed.
Stanzfehler im Submillimeterbereich würden ohne Zugabe weiße Streifen am farbigen Rand erzeugen.
Werbebanner 3 x 1 m mit randabfallendem Logo
Empfehlung: 5 mm Beschnitt pro Seite anlegen und gegebenenfalls zusätzliche Säume für Hohlraum-Verstärkung berücksichtigen.
Großformat-Konfektion mit Saumbildung und Ösen erfordert mehr Materialspielraum als kleinere Akzidenzdrucke.
Aluminiumverbundplatte 60 x 40 cm mit Vollflächen-Hintergrund
Empfehlung: 5 mm Beschnitt anlegen; vorgegebene Bleed-Werte des Druckdienstleisters prüfen.
Schneideverfahren bei Verbundplatten arbeiten mit Säge oder Plotter und haben größere Toleranzen als Papier-Schnitt.
Klebefolie mit Stanzkontur und randabfallender Farbe
Empfehlung: Bleed bis hinter die Stanzkontur ziehen, mindestens 2-3 mm über die Schnittlinie hinaus.
Plotter-Schnitte folgen der Kontur mit kleiner Abweichung; Bleed sichert die Farbkante auch bei minimalem Versatz.
Beispiele
- Endformat 210 x 297 mm (DIN A4) mit 3 mm Beschnitt ergibt ein Datenformat von 216 x 303 mm. Die Trim-Box markiert das Endformat, die Bleed-Box das Datenformat inklusive Zugabe.DIN A4 Flyer mit Standard-Beschnitt 3 mm.
- Banner 3000 x 1000 mm mit 5 mm Beschnitt: Datenformat 3010 x 1010 mm. Randabfallende Farbflächen werden bis an die Kante des Datenformats gezogen.Großformat-Banner mit 5 mm Beschnittzugabe je Seite.
- In Adobe InDesign wird der Beschnitt unter Datei > Dokument einrichten als 'Anschnitt' eingetragen; beim PDF-Export sind die Optionen 'Anschnittseinstellungen des Dokuments verwenden' und 'Schnittmarken' zu aktivieren.Bleed-Konfiguration in Adobe InDesign.
Verwandte Begriffe
Verwandte Vergleiche
Quellen
- [1]DIN 16524-1 - Prüfung von Drucken und Druckfarben - Teil 1: Begriffe
Beschnitt ist die Differenz zwischen dem unbeschnittenen Rohformat und dem Endformat eines Druckerzeugnisses.
- [2]bvdm-Leitfaden Datenaufbereitung für Druck und Verarbeitung
Für Akzidenzen sind 2 bis 3 mm Beschnittzugabe pro Seite üblich; bei Großformatprodukten erhöht sich der Wert auf 5 mm wegen größerer Schnitttoleranzen.
- [3]ISO 15930-7:2010 - Graphic technology - Prepress digital data exchange using PDF - Part 7: PDF/X-4
Die BleedBox umschließt das gesamte Druckbild einschließlich der Beschnittzugabe und ist getrennt von der TrimBox zu definieren.
- [4]Adobe InDesign Hilfe - Anschnitt und Sicherheitsabstand definieren
Der Anschnitt-Bereich ermöglicht es, Objekte über die Trim-Linie hinaus zu erweitern, sodass nach dem Schneiden keine weißen Kanten sichtbar sind.
- [5]FOGRA-Merkblatt Großformatdruck - Datenaufbereitung und Konfektionierung
Bei großformatigen Anwendungen empfiehlt sich eine Beschnittzugabe von mindestens 5 mm pro Seite, um Konfektionstoleranzen abzudecken.
- [6]Adobe Help - Über PDF/X- und PDF/A-Standards
PDF/X-Dateien definieren MediaBox, BleedBox und TrimBox, um Endformat, Beschnitt und Datenträgergröße eindeutig zu kennzeichnen.